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Asymmetrische Knoten beim Teppich: was der Senneh-Knoten wirklich bedeutet

04. Aug. 2026 · · 6 Min. Lesezeit

In der Produktbeschreibung steht „asymmetrische Knoten", und du fragst dich, was das eigentlich heißt. Kurz gesagt: Es geht nicht um das Muster, sondern um die Art, wie der Florfaden um die Kettfäden gelegt wird. Wer das einmal verstanden hat, liest jede Teppichbeschreibung mit anderen Augen. Also gehen wir es Schritt für Schritt durch.

Was beim asymmetrischen Knoten mit dem Florfaden geschieht

Ein handgeknüpfter Teppich besteht aus drei Bauteilen: senkrechten Kettfäden, waagerechten Schussfäden und dem Flor, der die sichtbare Oberfläche bildet. Der Knoten ist die Stelle, an der der Florfaden um die Kettfäden gelegt wird und so an Ort und Stelle bleibt.

Beim asymmetrischen Knoten passiert genau das: Der Wollfaden wird um zwei Kettfäden geschlungen, aber nur ein Kettfaden wird vollständig umschlungen. Der benachbarte Faden wird nur teilweise umfasst. Ein Ende des Garns wird zwischen den Kettfäden nach oben gezogen, das andere Ende läuft frei daneben heraus. Daher der Name: Der Knoten ist eben nicht symmetrisch aufgebaut.

Technisch gesehen wird der Florfaden anfangs wie beim türkischen Knoten gelegt. Dann aber wird er nicht über den zweiten Kettfaden geschlungen, sondern unter ihm hindurch nach oben gezogen. Das freie Ende kann dabei rechts oder links vom Kettfaden herausschauen. Man spricht dann von einem Knoten, der sich nach rechts oder nach links öffnet. Bei persischen Teppichen öffnet sich der Knoten meist nach links, bei turkmenischen häufig nach rechts.

Senneh-Knoten, Persischer Knoten, Sennehbaff: dieselbe Technik, viele Namen

Für ein und dieselbe Technik gibt es eine ganze Reihe von Bezeichnungen. Asymmetrischer Knoten, Senneh Knoten, Persischer Knoten, Farsibaff, Sennehbaff, teils auch Doppelknoten: Das meint alles das Gleiche. Verwirrend, aber gut zu wissen, wenn dir diese Namen in einer Beschreibung begegnen.

Und hier steckt ein hartnäckiges Missverständnis drin. Der Name „Senneh" klingt so, als käme der Teppich aus der Stadt Senneh (heute Sanandadsch). Das ist aber nicht der Fall. In Senneh selbst wurde traditionell mit dem symmetrischen Knoten geknüpft, also gerade nicht mit dem asymmetrischen. Warum die Technik trotzdem den Namen der Stadt trägt, ist bis heute ungeklärt. Sicher ist nur: Der Knoten wurde nicht in Senneh erfunden und ist auch nicht auf Persien beschränkt.

Die Knotennamen haben also keinen festen geographischen Bezug. Sie wurden bestimmten Provenienzen historisch zugeordnet. Die Technik selbst findet sich überall dort, wo Teppiche von Hand geknüpft werden. Häufig wird sie mit dem Perserteppich in Verbindung gebracht, das macht sie aber nicht zu einem Herkunftsnachweis.

Der symmetrische Gördes-Knoten im direkten Vergleich

Neben dem asymmetrischen gibt es den symmetrischen Knoten, auch türkischer oder Gördes-Knoten genannt. Beim symmetrischen Knoten wird das Florgarn zwischen zwei Kettfäden gelegt, um den einen und dann um den anderen Faden geführt, und beide Knüpffadenschenkel umschließen die Kettfäden vollständig. Der Aufbau ist also gleichmäßig auf beiden Seiten.

Beide Techniken sind reine Handknüpf-Verfahren. Manche Regionen benutzen sogar beide Knotenarten, gelegentlich in ein und demselben Teppich. Hier der Überblick:

MerkmalAsymmetrischer KnotenSymmetrischer Knoten
Weitere BezeichnungSenneh-, Persischer Knoten, SennehbaffGördes-, Türkischer Knoten
UmschlingungEin Kettfaden vollständig, der andere teilweiseBeide Kettfäden symmetrisch und vollständig
Typische GestaltungOft feine, fließende Linien und florale DetailsHäufig prägnante, geometrische Formen
QualitätsaussageNicht grundsätzlich besserNicht grundsätzlich schlechter
ErkennungAuf der Rückseite über dem Kettfaden meist eine SchlaufeAuf der Rückseite meist zwei Schlaufen sichtbar

Wenn du selbst nachsehen willst: Öffne den Flor vorsichtig senkrecht zum Verlauf der Kettfäden, gegen die Strichrichtung, sodass die Basis des Knotens freiliegt. Siehst du über dem Kettfaden nur eine Schlaufe, ist es höchstwahrscheinlich der Senneh-Knoten. Sind zwei Schlaufen zu sehen, spricht das für den Gördes-Knoten. Bei einem handgeknüpften Teppich erkennst du die einzelnen Knoten und das Muster deutlich auf der Rückseite. Ist jede Knotenreihe perfekt regelmäßig, deutet das eher auf eine maschinelle Produktion hin.

Zur Einordnung: Alte Teppiche aus dem Westen Persiens wie Täbris, Heriz, Bidjar, Hamadan und Ferahan sind im türkischen Knoten geknüpft. Der Knoten sagt also nichts Pauschales über „echt" oder „unecht" aus.

Warum feine florale Muster oft mit dem persischen Knoten entstehen

Der asymmetrische Knoten wird gern mit detailreichen, kurvilinearen und floralen Dessins verbunden. Der Grund liegt in der Gestaltungsfreiheit: Weil nur ein Kettfaden voll umschlungen wird, lassen sich weiche, fließende Linien etwas leichter setzen. Denk an ein detailreiches florales Medaillon aus Isfahan: Solche geschwungenen Ranken fallen mit dem persischen Knoten oft williger als mit einer streng symmetrischen Bindung.

Der türkische Knoten dagegen findet sich häufig bei geometrischen, teils groben Mustern. Ein Stammesteppich mit klaren, kantigen Formen ist ein gutes Beispiel dafür. Das ist aber eine Tendenz, keine feste Regel. Muster, Material, Knüpfdichte und das Können des Knüpfers entscheiden am Ende mit.

Beide Knoten sind qualitativ gleichwertig

Jetzt die Frage, die die meisten wirklich umtreibt: Ist ein Teppich mit asymmetrischem Knoten hochwertiger? Die Antwort ist ein klares Nein. Symmetrisch und asymmetrisch sind qualitativ absolut gleichwertig. Mit beiden Knoten lässt sich grob bis superfein, fest bis locker, hoch- bis flachflorig knüpfen. Keiner ist „besser", die beiden sind Ausdruck unterschiedlicher Traditionen.

Die Knotentechnik ist also kein alleiniges Gütesiegel. Für die Gesamtqualität eines Wollteppichs zählen viele Faktoren zusammen: Knotendichte, Material und Garnqualität, Färbung, Flor, Verarbeitung, die Kanten und die Gleichmäßigkeit.

Auch bei der Knotendichte lohnt ein zweiter Blick. Die Werte reichen von etwa 50.000 bis 150.000 Knoten pro Quadratmeter bei kräftigen Nomadenteppichen über 250.000 bis 500.000 bei guten Manufakturteppichen bis weit über eine Million bei feinsten Stücken aus Nain, Isfahan oder Ghom. Aber: Mehr Knoten heißt nicht automatisch besser. Die Dichte muss zum Stil passen. Ein geometrisches Nomadenmuster braucht keine Million Knoten, ein detailreiches florales Medaillon dagegen schon. Und es gibt sogenannte „Blender": Teppiche mit hoher Knotendichte, für die aber billiges Garn oder alte Wolle verwendet wurde. Trotz dichter Knüpfung verschleißen sie schnell. Sinnvoll vergleichen lässt sich die Knüpfdichte ohnehin nur innerhalb einer Provenienz.

Was der Jufti-Knoten spart und warum das den Flor schwächt

Ein Sonderfall ist der Jufti-Knoten. Er wird um vier Kettfäden statt um zwei geknüpft. Das geht deutlich schneller und spart Material und Zeit. Der Preis dafür: Der Flor wird weniger widerstandsfähig, der Teppich weniger haltbar.

Häufig taucht der Jufti-Knoten in großen einfarbigen Flächen auf, etwa bei manchen Khorassan-Teppichen, wo eine gleichförmige Fläche schnell gefüllt werden soll. Der Jufti gilt genau deshalb als Knoten geringerer Qualität: verkürzter Arbeitsvorgang, dünnere Substanz. Ein guter Grund, bei großen Unifarben-Partien einmal genauer hinzusehen.

Wie lange ein handgeknüpfter Teppich in der Herstellung dauert

Zum Schluss eine Rechnung, die den Aufwand greifbar macht. Ein erfahrener Knüpfer schafft im Durchschnitt rund 10.000 Knoten pro Tag. Ein Perserteppich in 300 x 400 cm mit einer Knotendichte von 500.000 Knoten pro Quadratmeter kommt so auf etwa 600 Tage reine Knüpfarbeit.

Das relativiert vieles. Ein handgeknüpfter Teppich ist über Monate hinweg von Hand entstanden, Knoten für Knoten. Der asymmetrische Knoten ist dabei ein Baustein von vielen: Er erklärt, wie das Handwerk funktioniert, und hilft dir, einen Teppich fachlich einzuordnen. Für das Gesamturteil schaust du am besten auf das Zusammenspiel aus Technik, Material, Dichte und Verarbeitung.

Häufige Fragen

Ist der Senneh-Knoten dasselbe wie der Persische Knoten?

Ja, das ist dieselbe Technik. Senneh-Knoten, Persischer Knoten, Farsibaff und Sennehbaff sind alles Bezeichnungen für den asymmetrischen Knoten. Bei ihm wird nur ein Kettfaden vollständig umschlungen, der benachbarte nur teilweise. Die vielen Namen sind historisch entstanden und meinen technisch alle dieselbe Knüpfart.

Ist ein Teppich mit asymmetrischem Knoten automatisch hochwertiger?

Nein. Der symmetrische und der asymmetrische Knoten sind qualitativ gleichwertig. Mit beiden lässt sich grob bis superfein knüpfen. Für die Qualität zählen viele Faktoren zusammen: Knotendichte, Material, Garnqualität, Färbung, Flor, Verarbeitung und Kanten. Die Knotentechnik allein ist kein Gütesiegel.

Was ist der Unterschied zwischen Jufti-Knoten und Senneh-Knoten?

Der Senneh-Knoten wird um zwei Kettfäden geknüpft, der Jufti-Knoten um vier. Der Jufti geht dadurch schneller und spart Material, macht den Flor aber weniger widerstandsfähig und den Teppich weniger haltbar. Deshalb gilt der Jufti-Knoten als Knoten geringerer Qualität, während der Senneh-Knoten eine reguläre, gleichwertige Knüpftechnik ist.

Macht der asymmetrische Knoten die Muster feiner?

Er kann feine, fließende Linien und florale Details unterstützen, etwa bei einem geschwungenen Medaillon. Automatisch feiner wird ein Teppich dadurch aber nicht. Auch mit dem symmetrischen Knoten entstehen sehr hochwertige Stücke. Feinheit hängt von Knüpfdichte, Material, Muster und Können des Knüpfers ab, nicht von der Knotenart allein.

Wie viele Knoten schafft ein Knüpfer am Tag?

Ein erfahrener Knüpfer schafft im Durchschnitt rund 10.000 Knoten pro Tag. Ein Teppich in 300 x 400 cm mit 500.000 Knoten pro Quadratmeter braucht so etwa 600 Tage reine Knüpfarbeit. Das zeigt, wie viel Handarbeit in einem handgeknüpften Teppich steckt.